Konzeption für theaterpädagogische Projekte

Sieben Schritte zum gelungenen Theaterpädagogik Projekt in und außerhalb der Schule für alle Altersgruppen + Theaterpädagogik Buchempfehlungen 

  • Facebook
  • Twitter

Sieben Schritte 

  1. Kennenlernen

  2. Heranführung an das Schauspiel

  3. Die Themenwahl

  4. Die Szenenentwicklung

  5. Proben

  6. Vorführung

  7. Erinnerungsstück

Die folgenden Schritte werden auf ihren eigenen Seiten beschrieben bzw. mit Buchempfehlungen für Theaterpädagogik Bücher untermauert. Dieser grobe Rahmen kann auf allerlei Theaterpädagogik-Projekte angewendet werden, ob Schüler_innen oder Studierende, Kinder oder Erwachsene. Die Länge der einzelnen Schritte ist abhängig von der Dauer des theaterpädagogischen Projektes

Als theoretische Grundlage werden die "Prinzipien Kultureller Bildung"  vorausgesetzt. Je nach Format sollte das Theaterpädagogik Projekt nicht kürzer als 5 Tage sein bzw. als AG-Format mindestens ein Jahr andauern.

1. Kennenlernen​

​Menschen können, da am besten lernen und sich am besten (kreativ) entfalten, wo sich wohl und sicher fühlen. Der erste Schritt für ein Theaterpädagogisches Projekt ist es daher einen Raum zu schaffen, wo diese Bedingungen gegeben sind. Das heißt Vertrauen in das Projekt, als auch in die Gruppe zu wecken. Die Teilnehmer_innen (folgend TN) müssen dafür in theaterpädagogischen Projekten in der Vertrauensgewinnung unterstützt werden. Dazu gehen hören 4 Ebenen. 

  1. Sie sollten sich in der Gruppe wohlfühlen.

  2. Sie sollten sich gut mit dem/ der Anleiter_in verstehen.

  3. Sie sollten sich in der Auseinandersetzung mit dem Thema des Projektes wohlfühlen. 

  4. Sie sollten das Selbstvertrauen gewinnen, um sich auf der Bühne zu präsentieren und zu performen. 

Die erste Phase des Theaterprojektes sollte daher dringend dafür genutzt werden dieses Vertrauen zu kreieren. Es gilt: Je weniger sich die Gruppe kennt, umso länger sollte dieser Prozess gehen. Bei einem 5-tätigen Projekt sollte ca. ein halber bis eineinhalb Tage dafür in Anspruch genommen werden. 

Es empfiehlt sich das Projekt mit einem Sitzkreis zu beginnen, wo sich alle in Ruhe vorstellen, etwas von ihrem Hintergrund erzählen und erzählen, ob sie bzw. wie viel Theatererfahrung sie haben (das wird später wichtig). An dieser Stelle sollte man sich auch als anleitende Person vorstellen und kurz skizzieren, was das Projekt über angedacht ist. Ein weiterer Aspekt der nennenswert ist, ist die Distanzierung zur Schule. Kinder und Jugendliche werden Anleiter_in erstmal mit Lehrer_in gleichsetzten, weil sie nichts anderes kennen.

Hier ist es wichtig klarzustellen, was uns bzw. Theaterpädagogik von regulärem Schulunterricht unterscheidet. Als nächstes sollte sich die Gruppe spielerisch mit den Namen vertraut machen. In der Theaterpädagogik gibt es dazu eine Reihe von guten Büchern, die ein Repertoire an Kennenlern- und Namensspielen haben (Beispielsweise die Theaterpädagogik Bücher von Maike Plath Link). 

Außerdem Namen hilft es, wenn die TN einzelne Informationen über einander enthalten, um miteinander ins Gespräch kommen zu müssen. Denn idealerweise verläuft das Kennenlernen in der Gruppe von ganz allein (in den Pausen und auch außerhalb des Theaterprojektes). Dafür eignet sich beispielsweise das Spiel „Alle, die…“

In der Mitte eines Stuhlkreises steht eine Person. Alle anderen nehmen auf einem Stuhl platz. Die Person in der Mitte beginnt einen Satz mit „Alle, die…“. Beispielsweise „Alle, die Geschwister haben.“ Daraufhin müssen sich alle, die Geschwister haben einen neuen Stuhl suchen, der mindestens 2 Stühle entfernt ist. Nachdem sich das Chaos gelegt hat, steht vermutlich jemand anderes in der Mitte. Diese Person beginnt erneut. Je nach Altersgruppe und Projekt kann man hier durchaus aus provokante und witzige „Alle, die…“’s formulieren, um die Stimmung in der Gruppe zu lockern und sich einmal mehr vom Schulkontext abzusetzen. 

Um das Vertrauen in der Gruppe weiter zu fördern sind Vertrauensübungen sehr zu empfehlen. Der Raum muss als sicherer Raum wahrgenommen werden, wo man sich nicht auslacht, sondern miteinander lacht. Sonst kann sich niemand frei entfalten und ästhetisch ausdrücken. Eine Übung, die sich dazu eignet ist der „Blindgang“. Die Gruppe wird in Paaren aufgeteilt. Jeweils einer Person werden die Augen verbunden. Die andere Person führt dann die Blinde durch den Raum. Der Clou: Das soll ohne Worte passieren, nur über den Kontakt von Zeigefinger an Zeigefinger. Haben sich die Paare an die Aufgabe gewöhnt, kann das Schritttempo oder die Gangart variiert werden. Zum Ende soll die führende Person einen schönen Platz zum halten finden und die blinde Person soll schätzen, wo im Raum sie sich jetzt befindet. Anschließend wird getauscht. 

Buchempfehlungen für Theaterpädagogik hier: Biografisches TheaterSelbständige Schüler_innen

 

2. Heranführung an das Schauspiel

Nachdem wir das richtige Gruppengefühl geschafft haben, machen wir die ersten Schritte auf die Bühne. In dieser Phase des Theaterpädagogik-Projektes geht es um ein langsames herantasten an Schauspiel, ohne zu überfordern. Hilfreich sind auch hier einige Übungen, wie "Satz auf der Bühne", die in Maike Plath Buch vorgestellt werden. 

Beim Satz auf der Bühne denkt sich jede/r TN einen Satz aus. Dann wird ein eine Stuhlreihe vor der Bühne aufgestellt. Der Reihe nach gehen alle auf die Bühne mit der klassischen Theaterroutine. Auftritt, Postion und Pose in der Bühnen Mitte, kurz warten, Satz sagen, Verbeugen (die Zuschauenden applaudieren dabei) und Abgang. Dann geht die nächste Person auf die Bühne. Diese Übung hilft die Theaterabläufe zu automatisieren. Die anleitenden Person kann diese Übung als Anlass nehmen, um auf wichtig Aspekte im Schauspiel Hinzuweisen, wie verständliche Sprache etc. 

Darüberhinaus sollte vermittelt werden, was beim Theater/ Schauspiel bedacht werden muss. Über möglichst wenig Erklärung und möglichst viel eigenes ausprobieren, sollten theatrale Mittel und Begriffe, wie "Stellung im Raum", "Peripherer Blick", verständlich Sprechen, richtige Postion zum Publikum etc. erläutert werden. Dafür eignet sich neben den theaterpädagogischen Büchern von Maike Plath auch das hier empfohlene Kursbuch für Darstellendes Spiel.

Nach so wenig Theater und so viel Theorie brauchen die TN meisten einige Schauspielübungen und kurze Szenen zum auflockern und "richtig schauspielen". Dazu mehr hier.

Buchempfehlungen für Theaterpädagogik hier: Biografisches Theater, Selbständige Schüler_innen, Miniszenen

 

3. Die Themenwahl

Egal ob Lehramt, Soziale Arbeit oder Theaterpädagogik für alle kulturellen Projekte, die die “Prinzipien Kultureller Bildung" als Fundament ihrer Arbeit gewählt haben, ist es naheliegend kein Stück vorzugeben, sondern gemeinsam mit den TN ein Theaterstück zu entwickeln. So können "Interessenorientierung", "Partizipation" und "Freiwilligkeit" besser gefördert werden.

Ein Hauptgrund für die Entwicklung eines eigenen Stückes ist meiner Meinung nach die Rollenanzahl und die Art der Rollen. Gerade Frauenrollen sind meist unterrepräsentiert und die Darstellung von Frauen sollte heutzutage über Mama, Geliebte und Co hinausgehen, was sie leider vor allem in herkömmlichen Klassikern nicht tut.

Daher empfehle ich einmal mehr den biografischen Theateransatz nach Maike Plath (Bücher dazu hier). Diese theaterpädagogische Konzept stellte wichtig Übungen, Methoden und Abläufe zur Verfügung, die zur Umsetzung der Prinzipien Kultureller Bildung beitragen und bietet somit ein gutes Fundament für Theaterpädagogik Projekte. 

Ganz genau genommen sollte nach den Prinzipien der Kulturellen Bildung die Entscheidung, ob ein Stück selbst entwickelt oder ein anderes Stück als Grundlage verwendet werden sollte, durch die Gruppe entschieden werden. Dieser Entscheidungsprozess ist allerdings Zeit und Kräfte zerrend und muss daher bei theaterpädagogischen Projekten mit knappen Ressourcen von der/ dem Anleiter_in übernommen werden. 

Zur Orientierung für die Wahl des Themas sollten dabei ganz allgemeine Themen vorgestellt werden und die TN dazu ermutigt werden ihre Ideen den anderen vorzustellen. Hier eignet nicht beispielsweise ein Stuhlkreis in dessen Mitte eine Reihe von Karteikarten mit Begriffen, wie "Liebe", "Schule", "Zukunft", "Armut" etc. liegen. (Unverständliche Begriffe sollten allen erklärt werden.) Am Schluss eines demokratischen Prozesses sollte die Gruppe 1-2 Themen gewählt haben, die sie zur Grundlage ihres Stücken erkoren haben.

Buchempfehlungen hier für Theaterpädagogik: Biografisches Theater, Interkulturelle Inspiration

 

4. Die Szenenentwicklung

Nach der Themenwahl des Theaterpädagogik-Projektes geht es darum aus dem abstrakten Thema ein konkretes Stück bzw. Szenen zu kreieren. 

Hier gibt es ein Fülle von Ansätzen u.a. : 

- Autobiografische Ansätze (u.a. Maike Plath)

- Vom Papier ausgehen (u.a. Lorenz Hippe)

- Ausgehend von einer Improvisation oder Miniszenen (Bücher hier)

(Meist hat mindestens ein TN eine tolle Idee und sprüht nur so vor Herzblut. Greifen Sie die Ideen der Gruppe auf und helfen Sie daraus etwas realistisches zu Formen.)

Bei aller Freiheit, die wir den TN geben wollen, ist es aber auch wichtig die TN darüber aufzuklären, was realistisch ist. Wir haben kein Hollywood-Budget und auch vermutlich nur sehr begrenzt seit für das Theaterprojekt. Stücklänge, Requisiten und weitere Limitierungen sollten daher von uns ganz klar abgesteckt werden, damit die TN nicht durch unrealistische Vorstellungen enttäuscht werden. 

Auch kann man gerade von Kinder und Jugendlichen nicht erwarten, dass sie von sich aus Texte generieren können. Auch hier müssen wir die richtigen Methoden an die Hand geben, um die TN bei diesem Prozess zu unterstützen. Auch hier empfehle ich auf die viel zitierte Plath oder Hippe zurückzugreifen. Wichtig ist, dass verschiedenste Ansätze zur Textproduktion und Szenenentwicklung vorgestellt werden, da das ein extrem individuelles Thema ist. Manche finden eher eine Zugang über Improvisationen, während andere lieber mit einen Stift zwischen den Zähnen über einem Blattpapier grübeln. Hier ist Aufmerksamkeit und Sensibilität gefragt. Denn die TN sollten auch nicht mit Methoden überhäuft werden. Wir machen hier keinen Schulunterricht. Theaterpädagogische Theorie und Methoden sollen den Entwicklungs- und Entfaltungsprozess unterstützen und nicht hindern.

Buchempfehlungen für Theaterpädagogik hier: Interkulturelle Inspiration, Szenisches Schreiben 

 

5. Proben, proben proben

Endspurt ist angesagt. Nachdem die Szenen entwickelt wurden, müssen sie jetzt auswendig gelernt werden. Dazu gehört der Text, als auch Auf- und Abgänge, wie auch Platzierung von Requisiten, Übergänge der Szenen und Applausordnung

In dieser Phase theaterpädagogischer Projekte ist auch wieder Sensibilität für die Gruppendynamik gefragt. Bestehen Probleme die Texte auswendig zu lernen? Können sich alle die Abläufe der Szenen mit Aufgang und Abgang merken? Sind alle mit ihren Rollen und den Szenen zufrieden oder sollte noch einmal etwas gefeilt werden? Je nach dem, wie die Situation in der Gruppe ist, sollte sich für das eine mehr und das andere weniger Zeit genommen werden. 

 

Es ist meist eine zähe Phase, die mit Frustration und Panik verbunden ist. Hier müssen Sie Sicherheit und Vertrauen in die Gruppe und in das Projekt ausstrahlen, um die Motivation am Leben zu halten. Spätestens hier zahlt sich es für gewöhnlich aus, dass wir eine Interessenswahl getroffen haben. Wo Schulunterricht kippt und Schüler_innen aussteigen, sind die TN hier bereit die extra Meile für ein gelungenes Projekt zu gehen auf das sie stolz sein können.

Theaterpädagogik Proben
 

6. Die Vorführung

Egal wie klein das Stück ist, gewährleisten Sie das es ein Publikum gibt! Am besten muss jede/r TN eine Person im Publikum sitzen sehen, die ihr etwas bedeutet. Sie kennen es selbst, wie sich der Herzschlag verändert, wenn man durch den Vorhang das Gesicht einer wichtigen Person erhascht. Es gibt kein besseres Ende eines theaterpädagogischen Projektes als stolze Eltern, die mit Begeisterung in den Augen ihr Kind umarmen. 

 

Unsere Aufgabe ist es auch, die Requisiten und Kostüme zu checken. Für den Notfall halten Sie das Skript bereit und sitzen Sie in der ersten Reihe. 

Ich verstehe es auch als Teil der theaterpädagogischen Arbeit den Eltern von der Leistung ihrer Kinder zu erzählen. Es kommt nicht selten vor, dass Kinder und Jugendliche in Theaterpädagogik-Projekten vollkommen aufgehen und neue Seiten von sich zeigen und entfalten, die auch für die Eltern vorher unbekannt waren. Es bedeutet den Kindern und den Eltern viel, wenn Sie von der tollen Zusammenarbeit erzählen oder Anekdoten aus dem Probenphase teilen, die besonders besonders oder inspirierend waren. Nehmen sich also die Zeit und gehen Sie zu den Eltern, die nicht nach dem Applaus die Flucht ergriffen haben, um ihre Erfahrungen zu teilen. So lernen auch die Eltern eine neue Seite von ihren Kindern kennen. 

Genauso sollten Sie natürlich auch einzeln mit den Kindern reden und sie bestärken für die tolle Leistung, die sie vollbracht haben. 

 

7. Das Erinnerungsstück

Halten sie eine Abschlussrunde (vor der Primäre) und bedanken Sie sich für die (hoffentlich) tolle, gemeinsame Arbeit. Bringen Sie in einer Reflexion in Erfahrung, was das nächste mal besser laufen könnte. 

Zum Abschluss überreichen Sie den TN eine Möglichkeit sich an dieses Theaterpädagogik-Projekt zu erinnern. Das kann ein Foto sein, ein Video, ein Requisit. Bei längeren Stücken bietet es sich auch an das Stück drucken zu lassen (mittlerweile billig, schön und schnell im Internet zu machen.). Ein kleines, eignes Theaterstück für die Hosentasche mehr muss es nicht sein. Aber wer kann schon behaupten, dass er sein eignes Theaterstück geschrieben hat. 

Hier gehts zur Checkliste für Ihr Material

 

Was kann Theaterpädagogik? Warum machen wir Theaterpädagogik Projekte?

Versuchen Sie bei allem Stress und Komplikationen nicht aus den Augen zu verlieren, warum sich die Arbeit lohnt und weshalb wir die Theaterpädagogik so lieben. 

Das Ziel der Theaterpädagogik ist es den Teilnehmenden eine schöne Zeit zu machen. Eine Oase im Ozean des Schulstresses, und Burn-outs, wo sie wertvolle Erfahrungen machen, die sie in ihrer Entwicklung und in ihrem Selbstbewusstsein bestärken. Damit sie die Aufgaben des Lebens besser und selbstsicherer angehen können. 

 

Dieser Artikel kann selbstverständlich nur einen Blick für Theaterpädagogik-Projekte gewähren und Fachbücher, Ausbildung oder Workshops nicht ersetzen. Sehr ans Herzen kann ich Ihnen die weiteren Theaterpädagogik Bücher legen, die Sie auf dieser Website finden können.