Die richtige Verwendung von Schulbüchern im Darstellenden Spiel 

Theaterpädagogische Bücher in der Schule. Wie Schüler_innen teile des DS-Schulunterrichts übernehmen können und selbstständig Theater machen.

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Darstellendes Spiel nicht wie ein Schulfach behandeln 

Regulärer Schulunterricht wird oftmals dafür kritisiert, dass er nicht interessenorientiert und partizipartiv aufgestellt ist. So werden Kinder und Jugendliche strukturell an einer freien Selbstentfaltung und Selbstfindung gehindert. Im Gegensatz zu diesem Schulunterricht bietet die Konzeption des Darstellenden-Spiel-Unterrichts, Möglichkeiten die Schüler_innen aktiv an den Inhalten und am Verlauf des "Unterrichts" zu beteiligen.

 

Als Teil der Kulturellen Bildung orientiert sich Darstellendes Spiel an Schulen an den "Prinzipien Kultureller Bildung", wo eben diese Zielsetzungen verankert sind: 

  1. Bezug zu den Künsten ​

  2. Selbstwirksamkeit 

  3. Handlungsorientierung 

  4. Ganzheitlichkeit 

  5. Interessenorientierung 

  6. Partizipation 

  7. Freiwilligkeit

  8. Fehlerfreundlichkeit

  9. Stärkenorientierung

  10. Offenheit für Vielfalt  (vgl. Schorn 2009: 7f):  

Zur Professionalisierung und Standardisierung des Darstellendes Spiel-Unterrichtes wurden damit einhergehend auch Darstellendes Spiel Bücher erstellt, die verbreitet im DS-Unterricht Gebrauch finden. Das Problem an solchen DS-Büchern ist jedoch, dass sie eine Art des Unterrichts begünstigen, die eine Vernachlässigung der Prinzipien Kultureller Bildung fördert. 

 

Wer Prinzipien Kultureller Bildung im Schulkontext umsetzten will, muss sich zunächst in gewisser Weise von Schule distanzieren. Schüler_innen haben im Verlauf ihres Bildungsweges gelernt, dass Schulunterricht kein Ort ist, wo Fehlerfreundlichkeit, Interessenorientierung, Freiwilligkeit etc. einen Platz finden. Folglich gehen sie erstmal davon aus, dass es im DS-Unterricht nicht anders ist. Es ist daher die Aufgabe der Darstellendes Spiel-Lehrer_innen zu beweisen, dass dem nicht so ist. Schüler_innen müssen lernen, dass hier andere Regeln gelten, andere Prinzipien verfolgt werden und sie sich freier ausleben können.

 

Das DS-Buch ist in diesem Zusammenhang ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite bietet ein gutes theaterpädagogisches Buch eine hervorragende Grundlage, um die ästhetischen Begriffe und relevante Komponenten des Theaters bzw. des Schauspiels zu erlernen. Auf der anderen Seite suggeriert das DS-Buch aber auch stinknormalen Schulunterricht. Schüler_innen müssen wieder 500 Gramm in ihren vollen Ranzen packen, sie müssen wieder Texte lesen und ihre Hausaufgaben machen. Diese Erfahrungen stehen der Erkenntnis Darstellendes Spiel als besonderen Unterricht zu begreifen im Weg. Schlimmer wird es dann noch, wenn die Lehrkraft aus Unsicherheit oder Unfähigkeit dem Buchkapiteln stur und stupide folgt und sich so vollkommen redundant macht. Der DS-Unterricht wird dann in MINT-Manier umgesetzt. Es gibt nur ein Richtig und das steht im Buch. Weil nicht von der Gruppe, sondern vom Buch ausgehend unterrichtet wird, werden die individuellen Stärken und Interessen der Gruppe ignoriert. Das Schulbuch wird dann zur Schablone für die Homogenisierung eigentlich heterogener Individuen. Aber es ist gerade die Individualität aus der heraus, die Verfolgung der Prinzipien angestrebt werden sollte. 

Darstellendes Spiel Bücher sollten daher mit Bedacht im Unterricht verwendet werden. Es gilt die Bücher in einer Weise zu verwenden, die sich vom regulären Schulunterricht abhebt. Damit das Lehrbuch im Einklang mit den Prinzipien Kultureller Bildung genutzt wird, sollten folgende Tipps berücksichtigt werden: 

  1. Alles, was auf der Bühne gelehrt und gelernt werden kann, sollte nicht über das Buch vermittelt werden. Die meisten Theaterphänomene sind sinnlich bzw. körperlich. Sie sind von Natur aus mit den Sinnen leicht zu erfassen. Es besteht daher selten ein Grund Theatergrundlagen über das DS-Lehrbuch zu vermitteln. "Position im Raum", "verständliche Sprache", "Status" u.v.m. sollten über Übungen, Spiele und über das Vormachen erarbeitet werden. 

  2. Das Lehrbuch als Nachschlagwerk verwenden. Das Darstellendes-Spiel-Buch sollte, wie ein Duden gebraucht werden. Es geht nicht darum das Buch auswendig zu lernen und alle Seiten des Buches gelesen zu haben. Sondern um einen Gebrauch im Sinne eines Nachschlagwerkes, wo sich Schüler_innen die praktisch erlernten Inhalte des Unterrichts nochmals anschauen können und sich weiter über anliegende Themen informieren können. 

  3. Das Lehrbuch als Möglichkeit Wissen und Interessen zu vertiefen. Schüler_innen sollte über das DS-Buch die Möglichkeit geboten werden sich FREIWILLIG auch abseits der regulären Unterrichtszeiten mit Theater auseinander zu setzten. Selbstwirksamkeit, Partizipation und Freiwilligkeit bedeutet auch, Schüler_innen eine Chance zu bieten, die mehr machen, mehr lernen wollen. Es ist normal, dass eine Schulgruppe nicht homogen ist. Ihre Leistungen, Interessen und zeitlichen Kapazitäten variieren. Besonders engagierte und interessierte Schüler_innen sollten hier nicht für ihre Motivation bestraft werden. Ihnen sollten Wege vorgestellt werden, wie sie sich tiefer in die Materie einarbeiten können. Das Lehrbuch stellt neben lokalen Theaterstückempfehlungen, Videos und Büchern, EINEN Weg dafür dar. Gleichzeitig sollte damit aber kein "Zwang zur Fortbildung" entstehen. diese Wege sollten auf Freiwilligkeit beruhen. Schüler_innen mit weniger Zeit und weniger Interesse sollten sich nicht unter Leistungsdruck gesetzt fühlen. 

  4. Das Lehrbuch als Selbstermächtigungswerkzeug. Ein gutes Darstellendes Spiel Buch stellt die Essenz des Theaters in einfachen Worten und klar strukturiert da, sodass Schüler_innen das Buch problemlos alleine verwenden können. Das ermöglichst den Schüler_innen Teile des Unterrichts selbst zu gestalten. Sie können Warm-Ups, Übungen und Proben nach ihren Interessen selbst vorbereiten und durchführen. Die Lehrkraft nimmt so eine noch passiverer Rolle ein, wo er/ sie nur noch bereitsteht, falls etwas schief geht. So kann der Gruppe mehr Platz für ihre freie Entfaltung geben werden. 

Darstellendes Spiel Kursbuch

Ein Ziel theaterpädagogischer Projekte in der Schule sollte es sein, Kindern und Jugendlichen Mittel an die Hand zu geben, damit sie selbst tätig werden und in der Lage sind das Projekt selbst zu gestalten. 

Das "Kursbuch Darstellendes Spiel" ist ein altes Werk, dass für den Darstellendes Spiel-Schulunterricht ausgelegt ist. Es enthält Grundlagen zum theatralen Körper- und Raumverständnis, wie Statusübungen, Gehen im Raum,  das 9-Punkte-Feld etc. Darüber hinaus werden Fachbegriffe wie "peripherer Blick" oder "Mimik und Gestik" etc. erklärt. Die Beschreibungen der einzelnen Inhalte sind kurz und prägnant und einfach zu verstehen. 

Damit eignet sich das Buch hervorragend, um den Schüler_innen teile der Anleitung abzugeben. Beispielsweise können sie das Warm-Up oder Wahrnehmungs- und Gruppenübungen für die nächste Stunde vorbereiten und diesen Teil des Unterrichtes dann übernehmen. Durch die simple Gestaltung des Buches kann schnell das Passende rausgesucht werden. 

Selbständigkeit - Darstellendes Spiel - Schüler - Unterricht - Kursbuch

Weitere Buchempfehlungen

Falls Sie weitere Literatur für ihre theaterpädagogische Arbeit brauchen, finden Sie auf dieser Website weitere interessante Fachliteratur. Für die Gestaltung des Darstellendes Spiel-Unterrichts empfiehlt sich definitiv eine Konzeption nach dem Vorbild des "Biografischen Theater" von Maike Plath. 

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